Wir befassen uns nun mit der bewußten Wahrnehmmung des sprachlichen Signals. Der Hörer kann die Empfindungen, die ein Schallereignis hervorruft, qualitativ (leise, tief, dunkel etc.) und quantitativ (lauter als, höher als etc.) beschreiben. Bei der Untersuchung wird also einerseits der Hörer befragt (subjektive Beschreibung), und andererseits das Signal auf der Basis von physikalisch-akustischen Messgrößen, bzw. Parametern untersucht (objektive Beschreibung).
Das Ergebnis einer solchen Untersuchung ist immer vom Hörer und dessen Tagesform abhängig. Man spricht in der Psychoakustik, in Anlehnung an die Methoden der Psychologie, von dem Stimulus (S) und der Reaktion (R). Jetzt müssen die physikalischen Eigenschaften des Signals noch mit den Reaktionen der Versuchsperson in Verbindung gebracht werden. Da sich dies äußerst schwierig gestalten kann, arbeitet man mit möglichst einfachen Signalen (Sinustöne, Rauschsgnale, kurze Impulse).
Die Empfindung, die ein Reiz auslöst, lässt sich hinsichtlich zweier Aspekte analysieren:
Messwerte akustischer Signale, Reizgrößen sind quantifizierbar, sie stellen
physikalische Größen dar. Solche Größen können wir als Produkt von Maßzahl und Einheit
auffassen.
Schallpegel Pl = 60 dB
Frequenz f = 1 kHz
Auch Empfindungsgrößen sind quantifizierbar und somit als Produkt einer Zahl mit einer
Einheit anzugeben. Deshalb stellt sich die Frage, nach der Abhängigkeit zwischen
physikalischer Größe und Empfindungsgröße
Lautheit N = 4 sone
Tonhöhe HV
Eine solche Gesetzmäßigkeit (Kurve) zwischen Reiz- und Empfindungsgröße heißt
Empfindungsfunktion.
Empfindungsfunktionen sind kontinuierliche, glatte Funktionen ohne Knicke.
Ändert sich das Funktionsargument (Reizgröße), so ändert sich auch der Funktionswert
(Empfindungsgröße).
Allerdings muss bei der Empfindungsfunktion der Grad der Reizerhöhung (∆As)
einen bestimmten Wert überschreiten, damit sich dies in der Empfindung (∆Bs)
bemerkbar macht. Diese gerade wahrgenommene Reizerhöhung (∆As / ∆S) heißt
Reizstufe,die gerade wahrnehmbare Empfindungserhöhung (∆BS / ∆R)
heißtEmpfindungsstufe
Verschiedene Wissenschaftler erstellten für diesen Zusammenhang Formeln.
Zum Beispiel ERNST WEBER:
∆R = k ⋅ (∆S:S)
oder GUSTAV FECHNER:
R = k ⋅ log (S)
Da sich diese beiden Gesetze sich nicht für alle Empfindungen bestätigen, postulierte
S.S.STEVENS 1959 einen weiteren Zusammenhang, der zwiscvhen einzelnen Empfindungen
differenzieren kann:
R = k ⋅ Se
© 2005 Reinhold Greisbach (Institut für Phonetik)
JWG-Universität Frankfurt am Main
Erstellt von Benjamin Kratz, Janina Schwital, Maren Stahlberg und Kerstin Stock im Rahmen
des Seminars Grundlagen der Phonetik II im SS 04
am Institut für Phonetik der JWG-Universität Frankfurt am Main