Die Ruhehörschwelle steht in Abhängigkeit von der Frequenz; an den
Grenzen nach oben und nach unten steigt die zum Hören notwendige Schallintensität
immer weiter an. Die Sensibilität des menschlichen Ohres ist bandbegrenzt,
d. h. im Infra- und Ultraschallbereich werden auch sehr hohe Schallpegel nicht
mehr wahrgenommen.
Junge Leute unter 25 Jahren haben mit einem wahrgenommenen Frequenzbereich von
20 Hz bis 16 kHz die besten Ohren. Bei 40-50 jährigen liegt die höchste
wahrgenommene Frequenz bei ca 12 kHz. Ab dem 60sten Lebensjahr beginnt bei vielen
Menschen dann die sogenannte Alterschwerhörigkeit.
Bei Pegeln über 90dB kann es zu alterunabhängigen Schädigungen des Hörvermögens
kommen. Man setzt eine Erhöhung der Ruhehörschwelle um 10 dB als Grenze
für das Auftreten dieser Störungen an. Dies wird jedoch aufgrund des
Umweltgeräuschpegels von den Betroffenen oft nicht wahrgenommen.
Frauen haben aufgrund des kleineren Kopfes normalerweise eine niedrigere Ruhehörschwelle
als Männer, insbesondere bei hohen Frequenzen. Auch ist die altersbedingte Reduktion
des Hörvermögens geringer als bei Männern.
Der von der Ruhehörschwelle bekannte Effekt setzt sich auch bei der Lautstärkewahrnehmung
fort: das Ohr ist in den mittleren Frequenzbereichen sensibler als in tief-
und hochfrequenten Bereichen. So wird ein 1 kHz Sinuston mit einem Pegel von
40dB geauso laut wahrgenommen wie ein 200 Hz Sinuston mit 50 dB.
Um dies experimentell zu untersuchen, werden Versuchspersonen zwei Töne
nacheinander dargeboten; im allgemeinen ist der erste Vergleichston ein 1 kHz
Ton. Die Versuchsperson soll nun bestimmen, ob der zweite Ton lauter oder leiser
ist. Einen Test dieser Art nennt man "Diskriminationstest".
Die Einheit der Lautstärke ist PHON. Liegt als Referenzton ein 1 kHz
Sinuston mit 30dB an,so sagt man,dass ein als gleichlaut empfundener Sinuston
auf einer anderen Frequenz die Lautstärke von 30 Phon hat. Für 1 kHz Sinustöne
ist der dB-Wert also genau der Phon-Stärke. Die Phonskala wird
meist in Form einer Isolautstärkegraphik dargestellt: Auf der x-Achse
zeigt sie die logarithmisch skalierte Frequenz und auf der y-Achse den Intensitätspegel
in dB.
Vor allem im Bereich des Lärmschutzes sind diese Zusammenhänge von
Bedeutung. Ein tieffrequentes Dröhnen darf einen wesentlich höheren
Schalldruckpegel aufweisen als ein schrilles Pfeifen in einem Frequenzbereich,
in dem das menschliche Ohr sensibel ist. Da die oben beschriebene Transformationstabelle
nur zur Berechnung der Lautstärke von Sinustönen geeignet ist,muss
man für "normale" Geräusche anders verfahren. Man hat sich
international auf drei normierte Lautstärkeskalen geeinigt: dB(A) für
leise Signale, dB(B) und dB(C) für laute Signale.
Sie erlauben eine einfache Transformation der gemessenen Schalldruckintensität.
dB(A) hat einen Referenzwert von 30 dB, dB(B) von 70 dB und db(C) von 110 dB. Bei
dB(A) sind die tieffrequenten Schalllaute weniger schwer gewichtet, bei dB(C)
ist die Kurve nahezu flach, alle Spektralkomponenten werden als gleich "störend"
empfunden.
© 2005 Reinhold Greisbach (Institut für Phonetik)
JWG-Universität Frankfurt am Main
Erstellt von Benjamin Kratz, Janina Schwital, Maren Stahlberg und Kerstin Stock im Rahmen
des Seminars Grundlagen der Phonetik II im SS 04
am Institut für Phonetik der JWG-Universität Frankfurt am Main