Modelle und Ausblick
Die Funktion der Sprachwahrnehmung ist die wichtigste Frage in derPsycholinguistik/Neurolinguistik.
Dichotisches Hören:
Beschreibung:
Versuchsperson erhält über Kopfhörer gleichzeitig an jedem Ohr ein unterschiedliches Signal (z.B.: linkes Ohr ein [i], rechtes Ohr ein [a]). Trotz mehrere möglicher Antworten zeigt sich bei den Versuchspersonen ein Rechtsohrvorteil
(engl.: right ear advantage).
Das rechts Gehörte wird mit der linken Gehirnhälfte wahrgenommen, die Wahrnehmung ist besser/fehlerfreier.
Test zum Finden des Ortes der Sprachwahrnehmung im Gehirn:
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Zerschneiden einer Formantkontur der Art [bu], [du], [gu] usw.
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Vorspielen der Formantabbiegung des zweiten Formanten dem einen Ohr und
Vorspielen des Rest der Formantkontur dem anderen Ohr
Ergebnis:
Die Versuchsperson nimmt je nach Formantabbiegung des zweiten Formanten die richtige Plosiv-Vokal-Kombination wahr. Das zeigt, dass die Informationen beider Ohren auf ihrem Weg zum ZNS verschmelzen.
Multimodales Hören:
Beschreibung:
Versuchsperson erhält einen auditiven und einen visuellen Reiz. Auf einem Monitor sieht sie die Lippen eines Sprechers und hört gleichzeitig ein unterschiedliches akustische Signal.
Beobachtung:
=> der McGurk-Effekt tritt auf.
Sieht die Versuchsperson die Lippenbewegung eines [ga], hört aber ein [ba]
nimmt sie meistens ein [da] wahr. Diese Untersuchungen zeigen eine (unbewusste)
Beeinflussung von optischen Informationen auf auditive Wahrnehmung
Auditive Illusionen:
Sie stellen sich bei der sog. phonemischen Restauration ein.
Beschreibung:
Ein einzelner Konsonant wird aus einer Äußerung entfernt und durch ein
nichtsprachliches Signal ersetzt (z.B. durch einen Knack).
Beobachtung:
Versuchsperson hört dennoch den entfernten Konsonanten
Ergebnis:
Die Wahrnehmung ersetzt offensichtlich den fehlenden "Baustein" unter der Bedingung, dass
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Sprachkompetenz vorrausgesetzt ist
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die Versuchsperson über ein phonemisches Bewusstsein verfügt, d.h sie muss wissen, was sie hören soll.
1. Beschreibung:
Versuchsperson bekommt Signale mit kontinuierlich varrierter Stimmeinsetzzeit präsentiert.
Ab einer gewissen Stimmeinsetzdauer nimmt die Versuchsperson einen stimmlosen Plosiv wahr (z.B. [ta]), darunter die stimmhafte Variante [da].
2. Beschreibung:
Versuchsperson hört vor dem Versuchsbeginn über längere Zeit [da]-Stimuli
2. Beobachtung:
Die Wahrnehmungsgrenze zwischen [ta] und [da] verschiebt sich
Sinustonsynthese:
Ein Signal mit nur 2 oder 3 Sinustönen wird erzeugt, wobei die Frequenzen mit denen von Vokalformanten übereinstimmen
Beobachtung:
einige Versuchspersonen erkennen in dem Signal einen Vokal, andere erkennen darin überhaupt kein Sprachsignal
Ergebnis:
solche Untersuchungen geben Hinweis darauf, ob es einen besonderen zenntralen Perzeptionsmechanismus gibt oder nicht
Da es in der Psycholinguistik viele disparate Einzeluntersuchungen gibt, ordnet man die Ergebnisse meist im Rahmen eines Perzeptionsmodells ein. Es gibt eine Vielzahl von Modellen der Sprachperzeption, die alle um die richtige Erklärung der Sprachwahrnehmung streiten.
Modelle:
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LEVELT-Modell (einziges bekannte Modell in der Sprachproduktion)
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Quelle-Filter-Modell in der akustischen Phonetik dominierend)
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Kohortenmodell (perzeptive Phonetik)
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TRACE-Modell (perzeptive Phonetik)
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KLATT-Modell (perzeptive Phonetik)
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Perzeptron-Modell (perzeptive Phonetik)
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Motor-Theorie (perzeptive Phonetik) usw.
Das LEVELT-Modell:
Dieses Modell von 1989 steht beispielhaft für Modelle, die kognitive Prozesse bei der Sprachproduktion beschreiben
Es sieht 3 Komponenten vor:
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Konzeptualisierung
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Formulierung
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Artikulation
Möchte der Sprecher dem Hörer etwas mitteilen, wählt der Konzeptualisierer die gewünschte Information aus
und bringt sie in eine zeitliche Abfolge. Sind die ersten Teile entwickelt, wird die sog. präverbale Mitteilung
an den Formulierer weitergegeben. Während der Konzeptualisierer weiterarbeitet, beginnt der Formulierer die präverbale
Mitteilung in linguistische Informationen zu tranformieren.
Der Formulierer: Er besteht aus einer grammatischen und einer phonologischen Kodierungseinheit, die nachweislich als getrennte Einheiten hintereinander durchlaufen werden.
Für jedes zu übertragende Konzept wird eine mentale Einheit im Lexikon gesucht. Diese Lexikalisierung
beinhaltet die Bestimmung der syntaktischen Informationen wie Wortklasse oder Geschlecht bei Nomen.
Der grammatische Kodierer setzt diese Informationen zu einer "syntaktischen Kette" zusammen.
In einem zweiten Schritt der Lexikalisierung erhält diese Kette dann die phonologischen d.h.
potentiell-lautlichen Strukturen.
Dieses zweiteilige Modell wird von elekrophysiologischen Untersuchungen mittels Hirnpotentialen bei bestimmten Experimenten wie Bilderbenennen gestützt.
Die phonologische Kodierung erfolgt ebenfalls in zwei Schritten:
Es wird ein metrisches Gitter erzeugt, in das die segmentalen Einheiten eingehängt werden. Diese Assoziierung folgt bestimmten Silbifizierungsregeln. Die Silbifizierung erstreckt sich in einer Äußerung auch über die Wortgrenzen einzelner Wörter hinweg. (In der Phonologie: die Einheit, auf die die Silbifizierung wirkt = phonologisches Wort)
Das metrische Gitter:
Es wird zur Aussprache der Einheiten benötigt. Nach seiner vollständigen lautlichen Spezifizierung erfolgt die phonetische Kodierung.Dies bedeutet die notwendige Bestimmung artikulatorischer Gesten zur
zur Äußerung der Einheiten.
In modernen Modellen des auditiven Perzeptionsvorgangs soll das vom Ohr spektral zerlegte akustische Signal zunächst
in den akustischen Speicher des ZNS gelangen. Vorher werden ihm die für die Lautidentofokation erforderlichen akustischen
Merkmale entnommen.
Bestimmung der Merkmale wird evt. durch spezielisierte Neuronen geleistet. Diese liefern jedoch keinen kontinuierlichen
Ergebnisstrom, sondern bearbeiten nur einen Signalabschnitt innerhalb eines gleitenden Fensters. Die Fensteröffnung (auch: akustischer Puffer) erfasst meist mehrere aufeinanderfolgende Enzellaute. Außerdem schiebt sie sich nach und nach über das
hereinkommende Signal.
Die meisten Modelle gehen davon aus, dass dieser Prozess eine Lautfolge liefert, die im akustischen Arbeitsspeicher zwischngelagert wird.
Es gib 2 Wege um von dieser Lautfolge die im Signal enthaltene Mitteilung zu extrahieren:
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Ein Weg führt über das mentale Lexikon. Er stuert den Informationsfluss für den Teil der Bedeutung,
der in den Wörtern und ihren Bestandteilen gespeichert ist.
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Ein Weg verläuft über die Syntax und steuert den Informationsfluss, der in den Beziehungen zwischen den Konstituenten gespeichert ist.
Das Kohortenmodell
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1978 von MARLSEN-WILSON/WELSH entworfen
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beschreibt den Zugriff auf das mentale Lexikon
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es sieht vor, dass der Zugriff auf das mentale Lexikon bereits beginnt, sobald die ersten verarbeiteten Lautfolgen
aus dem akustischen Puffer vorliegen. Dabei aktiviert es alle im Lexikon enthaltenen Elemente, die mit der aktuellen
Lautfolge beginnen. Jedes Elemente dieser Kohorte überwacht aktiv die anschließend vom akustischen Prozessor eintreffende Information. Reicht der neue Input weit genug von den in diesem Element spezifizierten Vorgaben ab, deaktiviert sich dieses Element und scheidet aus der Kohorte aus. Das übrig gebliebene Element ist das erkannte Wort.
Entscheidend an diesem Modell ist: je nach Kohortenzusammensetzung kann die Erkennung schon lange vor der akustischen Verarbeitung des Wortendes beendet sein.
Die syntaktische Analyse: Sie extrahiert Informationen, die in den Beziehungen der Wörter gespeichert sind. Das
geschieht gleichzeitig mit oder nach Vorliegen der ersten Worthypothesen. Anders als
beim Lexikonzugriff müssen hier keine vorgespeichrten Muster gefunden werden. Die aktuelle
Mitteilung kann neuen, dem Hörer bisher unbekannte Informationen enthalten. Das Analyseinstrum, das die Struktur der Zusammnhänge zwischen den Einzelwortbedeutungen rekonstruiert, heißt Parser. Er transformiert die eintreffende lineare Informationskette in eine hierarchische Struktur, die die Zusammenhänge zwischen den
Bestandteilen dokumentiert.
Die meisten Perzeptionstheorien gehen davon aus, dass der Informationsfluss nicht nur in eine Richtung verläuft.Hypothesen und Beziehungen zwischen Wortformen fließen auch in die akustische Verarbeitung ein. Das Führt zum sogenannten .
Der phonemische Restaurationseffekt:
Hörer, die ein Wort hören, in dem ein Konsonant künstlich durch ein nichtsprachliches Signal ersetzt wurde, nehmen das Originalwot wahr. Das heißt, sie restaurieren den manipilierten Laut.
Z U R Ü C K
© 2005 Reinhold Greisbach (Institut für Phonetik)
JWG-Universität Frankfurt am Main
Erstellt von Benjamin Kratz, Janina Schwital, Maren Stahlberg und Kerstin Stock im Rahmen
des Seminars Grundlagen der Phonetik II im SS 04
am Institut für Phonetik der JWG-Universität Frankfurt am Main
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